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Eine Seminararbeit schreiben

Wie es so öfter in einem Studium vorkommt, muss man eine Seminararbeit schreiben. Doch wie genau soll ich das machen?

Genau darum geht es in diesem Beitrag. Diesen werden ich im Laufe des Semesters, also bis August 2022, immer wieder aktualisieren, während ich meine eigene Seminararbeit verfasse.

  1. Literatursuche und Literaturbeschaffung
  2. Literatur zusammenfassen
  3. Ein Abstract schreiben
  4. Den Hauptteil schreiben
  5. Das Fazit schreiben
  6. Das Literaturverzeichnis

Literatursuche und Literaturbeschaffung

Suchtermbasierte Suche

Suchterme finden

Anhand des Themas oder der Fragestellung kann ein passender Suchterm bestimmt werden. Dafür werden die wichtigsten Schlüsselwörter herausgenommen.

Die Schlüsselwörter werden dann mit den Boolschen Operatoren AND und OR verbunden werden. Dabei muss gegebenenfalls etwas experimentiert werden. Zudem werden Terme, also Wörter, die in genau der Reihenfolge gefunden werden sollen, in Anführungszeichen eingegeben. Außerdem sollten alle Begriffe auch auf Englisch gesucht werden, was den einfachen Grund hat, dass es auf Englisch mehr Fachliteratur hat.

In Datenbanken suchen

Für die Literatursuche eignen sich Online-Datenbanken wie IEEE Xplore, ACM und google scholar.

Bei IEEE Xplore und ACM kann in der erweiterten Suche der Suchterm in der eben geschriebenen Konstellation eingegeben werden.

Außerdem kann der Suchort pro Begriff genauer bestimmt werden, also ob der Begriff zum Beispiel im Titel oder im gesamten Text gefunden werden muss. Es ist auch sinnvoll, das Erscheinungsjahr einzuschränken, vor allem, wenn bei der ersten Suche zu viele Ergebnisse gefunden wurden.

Die Literatur dieser Datenbanken darf in der Seminararbeit verwendet werden. Allerdings ist der Zugriff nicht immer frei. Als Student kann man allerdings über die Bildungseinrichtung einen freien Zugriff bekommen.

Wenn man mit google scholar sucht, muss man besonders darauf achten, dass die Literatur den Kriterien für die Literatur entspricht, die in einer Seminararbeit verwendet werden darf.

Schneeball-Suche

Für eine Schneeball-Suche muss mindestens ein hilfreicher Artikel gefunden worden sein.

Bei der Schneeball-Suche werden die Artikel durchsucht, die den bereits gefundenen Artikel zitieren. Diese Artikel findet man am schnellsten über google scholar. Wenn man einfach den Titel des Artikels eingibt und auf das richtige Ergebnis klickt, werden die Zitationen rechts verlinkt. Diese können nun nach weiteren hilfreichen Artikeln durchsucht werden.

Kriterien der Literatur

zitierfähig

die Quelle muss uneingeschränkt verfügbar sein

zitierwürdig

die Quelle muss wissenschaftlichen Qualitätskriterien entsprechen: Transparenz und Präzision in Methodik, Zitation und Sprache

relevant

die Quelle muss einen konkreten Bezug zum Thema und zur Fragestellung haben

geprüft

die Quelle wurde vor der Veröffentlichung geprüft durch ein Fachgutachten

Dokumentation der Suche

Die Literatursuche muss später nachvollziehbar sein. Zum einen, weil man so eine Übersicht über die gesamte Literatursuche bekommt. Zum anderen, weil sich manche Quellen verändern können, sodass das letzte Abrufdatum notiert werden sollte. Außerdem müssen später verwendete Quellen aufgeführt werden; man muss also die Daten der Literatur parat haben.

Am besten wird die Literatursuche in einer Tabelle dokumentiert.

Inhalt:

  • Suchort
  • Suchdatum
  • Spezielle Einschränkungen (z. B. Erscheinungsjahr)
  • Suchterm
  • Anzahl aller Suchergebnisse
  • Anzahl der relevanten Suchergebnisse
  • Verwendete Literatur

Literatur zusammenfassen

Lesen und verstehen

Für das Lesen von Online-Literatur ist es praktisch das PDF herunterzuladen und in einem geeigneten Reader zu öffnen, zum Beispiel im Adobe Reader für Windows-Nutzer oder in der App Bücher für MacBook-Nutzer.

Während dem Lesen sollte man sich wichtige Stellen markieren, am Besten in verschiedenen Farben. Vor allem sollten die Inhalte markiert werden, die später in die Zusammenfassung gehören, also die nachher genannten Fragen beantworten. Stichworte werden am Seitenrand notiert, diese sind hilfreich beim späteren Nachschlagen von einzelnen Textstellen.

Unklare Inhalte werden später recherchiert.

Zusammenfassung eines Artikels

In der Zusammenfassung eines Artikels müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Warum wurde der Artikel verfasst? In welchem Kontext wurde der Artikel verfasst?
  2. Was ist die Forschungsfrage des Artikels? Welches Problem will der Artikel lösen?
  3. Welche Methoden werden im Artikel angewendet? Was sind die Ergebnisse des Artikels?
  4. (Warum ist der Artikel für die Seminararbeit wichtig?)

Ein Abstract schreiben

Ein Abstract ist eine kurze Zusammenfassung am Anfang der Arbeit. Meist gibt es hier vom Professor eine Vorgabe, wie lang die Zusammenfassung sein darf, an die man sich also auch halten sollte.

Normalerweise wird ein erstes Abstract nach der Literatursuche verfasst, wobei es selbstverständlich noch nicht vollständig sein kann. Das dient zu einem Überblick über die eigene Arbeit. Natürlich wird dieses Abstract während des Schreibens der Arbeit mehrmals überarbeitet werden.

Inhalt:

  • Ziel der Arbeit
  • wichtigste Ergebnisse der Arbeit
  • Lesergruppe, für die die Arbeit interessant ist
  • Forschungsmethode(n) (z. B. Daten und Statistiken, Befragungen, Auswertung von Literatur) und eventuelle Begründung, warum diese Forschungsmethode(n) gewählt wurde(n)

Den Hauptteil schreiben

Der Hauptteil beschäftigt sich mit der oder den Forschungsfrage(n). Hier wird die gefundene und gelesene Literatur behandelt.

Inhalt der Seminararbeit in Unterthemen einteilen

Die Seminararbeit wird anhand der Forschungsfragen bereits in grobe Abschnitte unterteilt. Allerdings ist die Arbeit leserlicher wenn Zwischenüberschriften eingefügt werden.

So hat einerseits der Leser eine thematische Unterteilung, andererseits können diese Unterthemen als Anhaltspunkte im Abstract und im Fazit verwendet werden.

Die Methodik der Aufteilung ist abhängig vom Umfang und Thema der gefundenen Literatur. Artikel derselben Thematik können zusammengefasst einen Abschnitt ergeben. Wenn allerdings der Umfang zu groß ist, muss der Abschnitt nochmal unterteilt werden. Leider ist dies Ermessenssache und nicht besonders exakt.

Die Reihenfolge der Unterthemen innerhalb der Seminararbeit sollte einem roten Faden folgen, also einer strukturierten Vorgehensweise von der Fragestellung über gefundene Literatur und deren Analyse bis hin zum Fazit.

Zum Text einzelner Abschnitte

Relevante Ergebnisse und Thesen der Literatur werden präsentiert und dann themenrelevant analysiert. Dabei muss immer die Quelle angegeben werden, sonst gilt dies als Plagiat.

Der Hauptteil wird, wie auch die restliche Seminararbeit in Präsens, also zeitlichen Gegenwart, geschrieben (wird analysiert statt wurde analysiert). Es ist wichtig, das zu überprüfen; meist fällt man leicht in die Vergangenheitsform zurück.

Es wird alles sachlich geschildert. Das heißt, dass alle subjektiven Eindrücke, wie Meinungen oder Wertungen, weggelassen werden müssen.

Der Text sollte verständlich und leserlich geschrieben sein, vom Aufbau und Inhalt her.

Aufbau:

Darunter fallen Dinge wie die Satzstruktur, also dass die Sätze möglichst simpel gebaut und nicht zu lang sind, aber auch die Unterteilung des Textes durch Absätze. Nach jedem Themenwechsel folgt ein Absatz!

Inhalt:

Der Inhalt folgt auch innerhalb der Unterthemen einem roten Faden.

Fachbegriffe müssen erklärt werden, besonders wenn die Seminararbeit auch für Leser ohne spezielles Fachwissen interessant sein könnte. Außerdem sollte sich die Wortwahl nicht ständig wiederholen; speziell bei Satzanfängen ist das oft der Fall. Synonyme sind hier sehr hilfreich, openthesaurus.de ist eine gute Webseite, um Synonyme zu finden.

Zitieren

Direktes Zitieren:

Das Zitat muss in Anführungszeichen stehen. Stellen, die gekürzt wurden müssen mit […] markiert werden. Wenn im Originaltext ein Fehler ist, muss dieser mit übernommen werden; er wird mit [sic!] oder nur [!] gekennzeichnet, um zu zeigen, dass dies kein eigener Fehler ist. Zum Schluss muss in eckigen Klammern die Nummer der Quelle im Literaturverzeichnis angegeben werden, gefolgt von der Seitenzahl.

Zum Beispiel: “Das Zitat muss in Anführungszeichen stehen. […] gefolgt von der Seitenzahl.” [1, S.1]

Indirektes Zitieren:

Hier wird der Inhalt einer Literaturquelle leicht verändert wiedergegeben. Dabei wird die Nummer im Literaturverzeichnis, oder direkt der oder die Name(n) angegeben. Gefolgt von der Nummer der Literatur im Verzeichnis und der Seitenzahl in eckigen Klammern.

Zum Beispiel: Mustermann behauptet, dass die Literatur relevant ist. [1, S.1]

Zwischenfazit

Je nach Aufbau der Seminararbeit kann es sinnvoll sein, nach jedem größeren Abschnitt ein Zwischenfazit zu ziehen.

Wenn zwischen den Abschnitten ein großer thematischer Sprung stattfindet, oder eine andere Forschungsfrage behandelt wird, ist es sinnvoll ein Zwischenfazit zu schreiben.

Gleich mehr zum Schreiben eines Fazit.

Das Fazit schreiben

Im Fazit werden nochmal alle Forschungsergebnisse zusammengefasst. Das umfasst eine kurze Erwähnung der relevanten Ergebnisse der verwendeten Literatur und der Ergebnisse der Analyse. Außerdem wird eine möglichst klare Antwort auf die Forschungsfrage gefordert. Zum Schluss kann eine Zukunftsaussicht für weitere Arbeiten gegeben werden.

Das Literaturverzeichnis

Im Literaturverzeichnis werden alle verwendeten Arbeiten aufgeführt. Dabei werden auch Quellen von verwendeten Ergebnissen, Zitaten, Schaubildern usw. benötigt.

Literaturquellen werden in dieser Reihenfolge angegeben:

  • alle Autoren: Nachname, Initialen der Vornamen – gefolgt von einem Doppelpunkt
  • ganzer Titel der Literatur
  • Verlag
  • Ort oder Journal
  • Journalnummer und Seiten
  • Jahr (Publikationsdatum) in runden Klammern ()
  • DOI

Die Literaturquellen werden alphabetisch sortiert und nummeriert; Format [zahl].

Zum Beispiel: [1] Mustermann, M.: Das ist der Titel. Verlag, Journal 4, 8-14 (2022). https://doi.org/…

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